Kaffee oder Tee? Das ist hier die Frage!

Ich bin Philosophin und ich glaube, das merkt man auch mitunter in den merkwürdigen Texten, die es in meinem Blog zu lesen gibt. Hier in dieser Ecke meines Wohnzimmers haben Gott und die Welt ihren Platz. Angefangen wird natürlich bei der ultimativsten, existentiellsten Frage. Nein, nicht nach dem Sinn des Lebens... vielmehr, was ihr gern trinken möchtet. Denn zum Philosophieren muss man es sich auch gemütlich machen können und sich Zeit nehmen.


Erstes Philosophisches Interview

veröffentlicht am 11.01.2015


Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschlossen, folgendes Interview zum aktuellen Zeitgeschehen unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Umstände nur unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen zu veröffentlichen. Daher sind die Namen der Teilnehmer nachträglich geändert worden. Der Moderator bleibt anonym. Die Redaktion möchte sich ausdrücklich von den Aussagen der Teilnehmer distanzieren. Inhalt und Gehalt der jeweiligen Aussagen sind lediglich Meinungen und Ansichten des jeweiligen Individuums und stehen mit der Redaktion und ihren Mitgliedern in keinerlei Zusammenhang.

 

Leo, Achmed und der Moderator sitzen in einem Ton-Studio. Der Moderator gibt das Zeichen zum Anfang und beginnt zu sprechen:


·         Herzlich Willkommen zu unserer heutigen philosophischen Diskussion. Jetzt wollen wir uns dem aktuelleren Weltgeschehen zuwenden. Es geht um die Terroranschläge in der jüngeren Vergangenheit und um den religiösen Hintergrund. Letztes Mal haben wir dazu die Experten gehört und Religionswissenschaftler verschiedener Kulturkreise interviewt. Heute wollen wir uns auf den kleinen Mann von der Straße konzentrieren und was er davon hält. Meine Gäste im Studio sind Leo und Achmed. Herzlich Willkommen, ihr Beiden.

·         Leo: Hallo!

·         Achmed: Guten Tag!


·         Moderator: Also wollen wir beginnen. Die Entwicklungen der letzten Jahre sind beängstigend. Da werden Flugzeuge in Hochhäuser geflogen, Busse und U-Bahnen in die Luft gesprengt und Menschen auf der Straße geköpft. Es ist immer wieder die Rede von Krieg. Das hat zu einigen Spannungen geführt. Fremdenhass ist im Moment ja das ganz große Thema. Habt ihr schon einmal Beispiele von Fremdenhass erlebt?

·         Leo: Ich selbst bin noch kein Opfer von Fremdenhass geworden, nein. Aber eine Freundin von mir ist wegen ihrer dunklen Haare schon einmal angemacht worden. Das war eine unangenehme Situation und ziemlich bedrohlich. Wir haben uns beeilt, da weg zu kommen.

·         Achmed: Solche Situationen habe ich schon öfter erlebt. Bloß wegen meiner dunkleren Hautfarbe werde ich beschimpft.


·         Moderator: Du bist in Deutschland aufgewachsen, Achmed. Fühlst du dich auch als Deutscher?

·         Achmed: Ja schon, aber nicht immer. Man kann die Sprache lernen und hier arbeiten und fleißig sein, aber man wird nicht integriert. Sie sagen es einem oft nicht ins Gesicht, aber die Diskriminierung ist unterschwellig da. Die Leute haben Angst und sie wollen dir das nicht zeigen. Also erfinden sie Ausreden, warum man den Job nicht haben kann oder wieso man nicht befördert wird.

·         Leo: Aber woher willst du denn wissen, dass es bei den Ausreden um deine Hautfarbe geht? Ich hab auch schon viele Jobabsagen bekommen und einige klangen total fadenscheinig. Da hat denen auch irgendwas an mir nicht gepasst. Wenn man bei hunderten von Bewerbern auf eine Stelle auswählen kann, dann muss man wahrscheinlich auch nach Sympathie entscheiden.

·         Achmed: Aber das ist doch genau der Punkt. Ich bemühe mich doch wirklich um sympathisch zu sein. Aber in euren Augen bin ich oft bloß ein Kümmeltürke. Die Vorurteile fangen doch schon bei meinem Namen an. Die Leute lesen ihn und haben gleich ein festes Bild im Kopf und halten sich daran fest.


·         Leo: Ich glaube, da scherst du jetzt ziemlich viele Leute über einen Kamm!


·         Achmed: Und wenn ich dir jetzt sage, dass ich gläubiger Muslim bin? Dann wirst du mir die Terroranschläge vorhalten, die andere im Namen meines Gottes ausgeführt haben und ich soll mich dann rechtfertigen. Wer schert hier wen über einen Kamm?


·         Moderator: Also da haben wir doch schon einen guten Diskussionseinstieg. Leo, ist das jetzt wirklich für dich ein bedrohliches Gefühl, wenn Achmed sagt, dass er gläubiger Muslim ist?


·         Leo: Ich weiß nicht. Ich hab mir das ja schon gedacht, aber ich glaube nicht, dass er Terrorist oder so ist.


·         Moderator: Wieso hast du dir das gedacht?

·        Leo: Na ja, er trägt ja auch die Kleidung und eine von diesen Kopfbedeckungen. 

·         Achmed: Das ist eine Gebetsmütze.

·         Leo: Aber das ist doch nicht bedrohlich. Das ist doch dasselbe, als würde ich ein Kreuz tragen?


·         Moderator: Sollte Achmed die Mütze lieber abnehmen?

·         Leo: Ja, wenn er sich darüber beschwert, dass er angefeindet wird, dann kann er sich das überlegen. Aber nicht jetzt wegen mir, ne?

·         Achmed: Ich trage die Gebetsmütze im Alltag eigentlich nicht. Ich habe sie extra für die Diskussion angelegt.

·         Leo: Hm. Aber du bist schon Muslim, oder?

·         Achmed: Ja, das stimmt. Ich bin gläubig. Aber das heisst nicht, dass ich fanatisch religiös bin.

·         Leo: Das bin ich auch, also gläubig, meine ich. Ich trage halt einfach kein Kreuz mit mir herum.


·         Moderator: Leo, wieso trägst du kein Kreuz? Wurdest du schon einmal wegen deines Glaubens angegriffen?

·         Leo: Nein, ich trage es eben einfach nicht. Ich brauche es nicht. Und wegen meines Glaubens bin ich auch noch nie angeguckt worden. Da kann ich jetzt nicht mitreden.


·         Moderator: Dann kommen wir doch mal auf die Frage von vorhin zurück: Wirkt Achmeds Glaube auf dich bedrohlich? Hältst du eine Islamisierung Europas für möglich?

·         Leo: Also den Achmed finde ich jetzt nicht bedrohlich und sein Glaube ist ja auch seine Sache. Der wirkt doch ganz normal. Und er hat ja auch nicht versucht, mich jetzt von seinem Glauben zu überzeugen. Die Islamisierung Europas sehe ich ehrlich gesagt nicht kommen. Man hat zwar in großen Städten einige Viertel, in denen mehr türkischstämmige Einwohner leben und dann hat man Viertel, in denen es mehr Hartz IV Empfänger gibt und Straßen, wo nur große Villen stehen. Ich glaube, das ist einfach auch vom Mietpreis abhängig und wo sich die Leute wohl fühlen. Ich würde ja jetzt auch nicht sagen, dass die Italiener ganz Europa übernehmen wollen, bloß weil es jetzt in meiner Straße zwei italienische Restaurants gibt.

·         Achmed: Das ist ja jetzt aber ein Unterschied. Wir reden ja nicht von Essen, sondern von Religion.

·         Leo: Ja, das stimmt. Aber nur weil es viele Einwanderer sind, ist das doch keine geplante Übernahme? Das sind doch ganz normale Familien mit Kindern, keine Soldaten.

·         Achmed: Genau. Aber mir haben neulich zwei Rentner gesagt, dass wir damit ihre Kultur bedrohen. Weil die Menge an Menschen die anderen verdrängen.

·         Leo: Was denn für eine Kultur? Das Christentum?

·         Achmed: Ich weiß es nicht, das war mir auch nicht ganz klar.


·         Moderator: Also gehen wir mal davon aus, das ist ja unser Thema. Ist das Christentum wirklich bedroht?

·         Achmed: Das Christentum gehört wie der Islam zu den Weltreligionen. Beides sind große Religionen und das schon seit vielen hundert Jahren. Ich glaube nicht, dass eines das andere komplett vertreiben kann.

·         Leo: Das glaube ich auch nicht. Und die Einwanderer haben wir ja auch nicht erst seit gestern. Die leben doch zum Teil schon sehr viel länger hier. Warum sollten dieselben Menschen jetzt auf einmal unsere Kultur angreifen? Ist das nicht eher ein Angriff von außen? 

·         Achmed: Das ist wenn überhaupt ein Angriff von einigen wenigen. Ich persönlich habe nichts mit Terroristen zu tun und ich kann ihr Vorgehen auch nicht gutheißen. Es ist nicht in Ordnung, Menschen zu töten.

·         Moderator: Leo, wie würdest du das finden, wenn neben deinem Haus nun eine Moschee gebaut werden soll? Komplett mit Minarett und allem Drum und Dran. Wäre das in deinen Augen eine Bedrohung?

·         Leo: Nein, keine Bedrohung. Aber begeistert bin ich davon nicht.

·         Achmed: Aber es ist doch nur ein Ort des Gebets und des Friedens.

·         Leo: Nein, das stimmt nicht. Frieden hat man ja wohl nicht, wenn da ein paar Mal am Tag vom Turm herunter gebrüllt wird. Das ist laut. Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön nervig ist.

·  Achmed: Das gehört aber dazu. Ihr habt doch auch Kirchtürme und Kirchenglocken.

·         Leo: Das gebe ich ja zu. Aber die Kirchenglocken hört man doch nicht die ganze Zeit.

·         Achmed: Zu jeder vollen Stunde wird geläutet, ich hab eine Kirche im Viertel. Das ist auch nervig, dieses Gebimmel.

·         Leo: Da gewöhnt man sich aber irgendwann dran. Und wenn nicht, dann kann man ja Einspruch erheben. Es gibt viele Leute, die das tun. Auch viele Christen stört das Läuten.


·         Moderator: Da ließe sich doch aber für beide Seiten ein Kompromiss finden. Von dem Lärm mal abgesehen, was ist mit dem Gebäude? Kulturelle Bedrohung oder nicht?

·         Leo: Ach, das weiß ich gar nicht so genau. Religiöse Bedrohung sehe ich da jetzt nicht. Warum sollten die Muslime keinen Ort zum Beten haben? Und wenn das Haus schön aussieht, ist es doch gar nicht so schlecht. 

·         Achmed: Ich lebe seit meiner Geburt hier in Deutschland und das ist meine Heimat. Das Heimatland meiner Eltern ist mir nicht ganz so vertraut. Es wäre schön, wenn ich in meiner Heimat auch einen Platz zum Beten hätte. Aber ich habe das Gefühl, dass das hier nicht toleriert wird.


·         Moderator: Dann kommen wir wieder zu unserer Ausgangsfrage zurück. Achmed, hast du das Gefühl, dass der Fremdenhass in deiner unmittelbaren Umgebung zugenommen hat?

·         Achmed: Ja schon. Es gibt Leute, die sich im Laden nicht von mir bedienen lassen wollen. Sie suchen sich lieber einen anderen Mitarbeiter. Das ist in letzter Zeit hin und wieder vorgekommen. Das finde ich nicht gut. Ich arbeite schon lange in dem Laden. Ich mache meine Arbeit gut.


·         Moderator: Und du Leo, hast du ähnliches beobachtet?

·         Leo: Einige Bekannte haben sich positiv zu Pegida geäußert. Das hat mir Sorgen gemacht. Ich kann nicht sagen, dass meine Kultur von Einwanderern bedroht wurde. Es hat niemand eine Kirche abgerissen und eine Moschee dort gebaut und mir gesagt, ich soll meinen Glauben wechseln oder aufhören Weihnachten zu feiern. Im Gegenteil, ich habe einen Arbeitskollegen, der ist Türke, und hat trotzdem auf der Weihnachtsfeier mit uns gefeiert. Na gut, dann trinkt er eben keinen Alkohol. Mach ich ja auch nicht, wenn ich fahren muss. 


·         Moderator: Dann ist die sogenannte Islamisierung des Abendlandes für dich nicht vorhanden?

·         Leo: Nein. Ich kann nicht sagen, dass ich in letzter Zeit islamisiert wurde *lacht* Ich würde mir schon wünschen, dass sich einige Mitbürger besser integrieren. Aber in meinem Viertel wohnen ja auch Russen und Italiener und Albaner und für die gilt doch das gleiche. Ich kann doch nicht zu den Türken sagen: Hör auf mich zu islamisieren und integriere dich lieber; und den Russen, der nach 20 Jahren immer noch kein Wort Deutsch kann, ignorieren. Entweder ich rede mit allen Einwanderern, oder ich lasse alle Einwanderer in Ruhe. Also, das mit der Islamisierung ist Quatsch. Dass es mehr Einwanderer gibt, liegt bestimmt am Krieg, aber nicht weil die jetzt ihren Glauben bei uns verbreiten wollen. Viele Einwanderer aus Krisengebieten im Nahen Osten sind ja nicht mal freiwillig hier. Da kann man nicht wirklich von einer absichtlichen Islamisierung sprechen.

·         Achmed: Genau das ist so eine Sache. Ich glaube, die Pegida geht gar nicht nur gegen den Islam. Das ist bloß im Moment ein gutes Zugpferd. Erst versuchen sie, die Muslime loszuwerden und dann werden sie sich den anderen zuwenden. Die Argumente kann man ja auch auf andere Kulturen ummünzen. Es ist ja nicht nur der Terrorismus, der im Namen des Islam ausgeübt wird, der im Moment die Welt in Angst versetzt. Es ist ja auch Unruhe auf der Krim. Man könnte doch auch gegen russische Einwanderer demonstrieren und Angst vor einem weiteren kalten Krieg haben.

·         Leo: Das ist wahr. Da ist dieser große Mob und schreit irgendwelche Parolen und wenn man sich das mal überlegt, wogegen die eigentlich genau demonstrieren, dann kann man auch andere Feindbilder finden. Ich verstehe auch nicht, warum die Medien da lügen sollen? Die ganzen letzten Jahre hatten wir doch eine relativ gute Berichterstattung. Dass man nicht alles Wort für Wort glauben kann, das weiß man doch.  


·         Moderator: Achmed, dann würdest du also sagen, dass deine Religion die deutsche bzw. die europäische Kultur nicht bedroht. Aber wie siehst du denn die Europäer eigentlich? Fühlst du dich als Europäer?

·         Achmed: Das wird immer kontrastiert, Europäer gegen Muslime. Aber viele Europäer sind Muslime. Europa besteht aus vielen Völkern. Ja, ich fühle mich schon eher als Europäer. Das ist ein großer Begriff, der auf viele Leute und auf viele Völker passt. Ich würde auch nicht sagen, dass Europa das Abendland ist und Nordafrika und Eurasien das Morgenland.

·         Leo: Das sind doch alte, verstaubte Begriffe. Die passen irgendwie gar nicht mehr in unsere Gesellschaft, sondern eher in Märchen- und Geschichtsbücher.


·         Moderator: Was ist mit der Türkei? Europa? Oder nicht?

·         Achmed: Wohl eher Europa.

·         Leo: Na ja, irgendwie schon eher Asien. 


·         Moderator: Und die nicht-muslimischen Europäer? Welchen Stellenwert haben die für dich, Achmed? Fühlst du dich ihnen nahe oder sind sie dir fremd?

·         Achmed: Ich weiß nicht, das kommt immer auf die Person an. Ich würde nicht sagen, dass sie mir fremd wären. Ich finde es nur schade, dass wir nicht mehr gemeinsam haben und dass sie ungläubig sind.

·         Leo: Ich bin aber nicht ungläubig.

·         Achmed: Du bist doch aber kein Muslim.

·         Leo: Und du kein Fanatiker, gell? Ich habe einen Glauben. Ungläubig klingt so, als würde ich an nichts glauben, aber das stimmt nicht. Ich bin schon religiös und ich glaube an Gott, auch wenn ich nicht regelmäßig in die Kirche gehe. 

·         Achmed: Aber du glaubst an den falschen Gott. Du hast einen Irrglauben.

·     Leo: Nee, erstens kannst du das doch gar nicht wissen! Du bist nur ein Mensch. Und zweitens gibt es nur einen einzigen Gott. 

·         Achmed: Genau. Und das ist Allah.

·         Leo: Wenn es nur einen Gott gibt, dann glauben wir beide doch an denselben Gott. Es kann dann ja keinen anderen Gott geben. Weder einen richtigen noch einen falschen anderen Gott. Es gibt nur den einen.

·         Achmed: Das würde ich nicht so sehen.

·         Leo: Wer sagt dir denn das? Dein Glaube? Wieso bist du dir so sicher, dass du den richtigen Glauben hast und ich den falschen? Und woher weißt du, dass ich nicht an denselben Gott glaube wie du? Ich denke schon, dass wir alle an denselben Gott glauben. Christen, Juden und Muslime. Darin sind wir uns doch einig, oder nicht?

·    Achmed: ich denke nicht, dass wir uns einig sind. Es gibt viel zu viele Unterschiede in den Religionen. Seht euch doch mal die ganzen Konflikte an!

·         Leo: Darf ich dich mal was fragen? Was ist das eigentlich für ein Kleid, dass du da anhast?

·         Achmed: Das ist kein Kleid. Das ist ein einfaches Gewand. In der Heimat meiner Eltern, dort wo ich herkomme, trägt man das so.

·         Leo: Für mich sieht das aus wie ein Kleid. Weil es keine Hosen hat. Aber nur weil du in meinen Augen ein Kleid trägst, sage ich ja nicht, dass du deswegen eine Frau sein musst.  

·         Achmed: hä?


·         Moderator: Leo, worauf willst du hinaus?

·         Leo: Am Anfang habt ihr mich gefragt, ob ich die Kleidung oder diese Gebetsmütze bedrohlich finde. Ich finde den Anblick nicht bedrohlich, aber schon ungewöhnlich. Aber selbst wenn ich davon ausgehen würde, dass der Achmed ein Kleid angezogen hat...

·         Achmed: Das ist kein Kleid, das ist ein...

·         Leo: Lass mich mal ausreden, ja? Also ich hab nur gesagt, dass das für mich wie ein Kleid aussieht. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber...

·         Achmed: Vielleicht kommst du mal auf den Punkt!


·         Moderator: Das ist eine gute Idee. Leo, erkläre uns dein Argument noch mal.

·         Leo: Also wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich glauben, dass sich der Achmed ein Kleid angezogen hat. Frauen tragen Kleider, Männer nicht. Aber selbst wenn der Achmed ein Kleid an hätte, würde ich nicht behaupten, dass er eine Frau ist. 

·         Achmed: Okay. Und was hat das jetzt mit der Religion zu tun?

·         Leo: Na ja, nur weil es für dich so aussieht, als ob ich einen falschen Glauben habe, muss das nicht stimmen. Es stimmt ja auch nicht, dass du ein Kleid anhast. Auch wenn es mir so vorkommt. 

·         Achmed: Jetzt versteh ich dich. Das ist aber schwer, da einen Vergleich zu ziehen. Ich finde das ein bisschen banal, man kann doch nicht einen Glauben mit einem Kleidungsstück gleichsetzen.

·         Leo: Das hab ich nicht. Ich hab nur versucht zu zeigen, dass dein Kleidungsstück eine Hülle ist, die einige als Kleid betrachten und andere eben nicht. Und ich denke, dass es mit dem Glauben genauso ist.


·         Moderator: Also die Analogie ist mir auch noch nicht ganz klar.

·         Leo: Unser Glaube mag äußerlich ja ganz verschieden sein. Diese Unterschiede sind aber doch eigentlich nur an der Oberfläche. So wie das Kleid oder eben meine Hose. Nur weil sich das unterscheidet, heißt es doch nicht, dass wir nicht beide Männer sind, oder Menschen oder Säugetiere. Außer der Bekleidung haben wir bestimmt viele Gemeinsamkeiten. 


·         Moderator: Du denkst also, sowie wir alle einer Art angehören, also Menschen sind, können wir uns auch einen Glauben teilen? Auch wenn es oberflächlich betrachtet einige Unterschiede gibt?

·         Leo: Ja, das denke ich schon. Ich denke, wenn wir beide glauben, dass es nur einen Gott geben kann, dann muss das doch ein und derselbe Gott sein. Es ist nicht logisch, dass Achmed einen anderen Gott haben soll als ich. Wenn man an nur einen Gott glaubt, dann gibt es nur einen. Darüber sind wir uns doch einig. Ich finde, der Begriff des Ungläubigen betrifft nur die Atheisten, also diejenigen, die an gar keinen Gott glauben. Ich fühle mich da nicht angesprochen. Ich bin ja gläubig.

·         Achmed: Das ist natürlich eine schwierige Unterscheidung.

·         Leo: Also wenn du mich in einen Topf mit den Atheisten wirfst, dann empfinde ich das als ungerecht. Du hast ja auch Recht, wenn du sagst, dass du als Muslim nicht automatisch ein Terrorist bist. Da gibt es einen großen Unterschied. 

·         Moderator: Ich denke, diesen Unterschied müssen wir alle einräumen.

   


Mein Liebling in der Philosophie ist die Ethik. Ich bin nämlich gern ein Moralapostel und nörgele an den Anderen herum. Das Gute an der Ethik ist, dass man immer genau weiss, was man falsch macht. Der Nachteil ist, dass einem das leider auch nicht weiter hilft. Irgendwie hat doch alles einen Haken.

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